EIN FEST FÜR WOLFERL

Mozart Concert in Praag

Ein Fest für Wolferl.

Mozart-Geburtstagskonzert, Prag, 27. Januar 2019.

Adela Zaharia, Sopran
Stepánka Pucálková, Mezzosopran
Petr Nekoranec, Tenor
Simone Alberghini, Bassbariton

Prager Nationaltheater-Orchester
Dirigent: Plácido Domingo

Musik:

Mozart Concert in Praag

Plakette auf der Bühne, wo Mozart einst am Cembalo saß.

Mozart Concert in Praag

Ständetheater (Stavovské divadlo) in Prag.

Mozart Concert in Praag

Petr Nekoranec, Stepánka Pucálková, Adela Zaharia & Simone Alberghini.

Mozart Concert in Praag

Ein Fest für Wolferl.

263 Jahre – ein stattliches Alter. Das ruft nach Party. Wolfgang Amadeus Mozarts Geburtstag am 27. Januar 2019 wurde dort gefeiert, wo der Komponist selbst am 29.10.1787 die Uraufführung seines Don Giovanni dirigiert hatte – im Ständetheater (Stavovské divadlo) in Prag.
Der wunderschöne klassizistische Bau ist nur eins von zwei Theatern in Europa, das noch nahezu im Originalzustand erhalten geblieben ist. Eine in den Boden eingelassene Plakette zeigt heute jene Stelle auf der Bühne an, an der er einst am Cembalo saß.
Und fast an der gleichen Stelle stand nun der Dirigent des Konzerts Geburtstagskonzerts für Mozart, Plácido Domingo.

 

Aufstrebende junge Sänger mit viel Potential

Zwei Gewinner seines „Operalia“-Wettbewerbs teilten sich die Bühne mit ihm: der rumänische Sopran Adela Zaharia und der italienische Bassbariton Simone Alberghini. Gemeinsam mit zwei lokalen Sängern, Mezzosopran Stepánka Pucálková  und Tenor Petr Nekoranec, bildeten sie die sängerische Besetzung an diesem Abend, der natürlich ganz im Zeichen Mozarts stand. Er begann mit der Ouvertüre zur Zauberflöte, schwungvoll interpretiert vom Prager Nationaltheater-Orchester. Domingo, zwischen zwei La-Traviata-Vorstellungen in London nach Prag gekommen, ließ nichts davon erkennen, dass er eigentlich krank war, wie er später eingestand. Mit temporeicher Eleganz führte er durch das Programm, das Simone Alberghini mit „Fin ch`han dal vino …“ aus Don Giovanni stimmgewaltig eröffnete. Auch bei seinen weiteren Auftritten (Solo: „Hai giá vinta la causa! – Vedró mentrìo sospiro“ aus Le nozze di Figaro und Duette mit Stepánka Pucálková) blieb der sympathische Sänger von beeindruckender Kraft und sicherer Stimmführung, doch fehlten mir bei ihm Charisma und Originalität.

„Martern aller Arten“ aus Die Entführung aus dem Serail folgte – und Adela Zaharia zeigte, warum sie zu Recht die „Operalia“ gewonnen hatte: Sie verfügt über eine volle, mollig-weiche Stimme mit glasklaren, elegant geführten Koloraturen, die weder in den Höhen noch in den Tiefen an Kraft verliert. Technische Präzision und zugleich leidenschaftliche Dramatik machten ihre Auftritte zu einem echten Hörgenuss, auch später in „D’Oreste, d`Àiace“ aus Idomeneo, „Ach, ich fühl’s“ aus der Zauberflöte und in den Duetten mit Stepánka Pucálková („Prenderó quel brunettino“ aus Cosí fan tutte) und Petr Nekoranec („Ma qual mai – Fuggi, crudele“ aus Don Giovanni). Der junge Tenor aus Tschechien, der aussah, als wäre er gerade von seiner Firmung gekommen, überraschte mit einer erstaunlich reifen Stimme für seine 26 Jahre. Nach seiner ersten Arie, „Se di lauril il crine adorno“ aus Mitridate hinterließ er mich noch mit zwiespältigen Gefühlen, da er den Oktavsprung sehr „countertenormäßig“ anlegte und ich einmal fürchtete, die Stimme würde brechen. Aber er meisterte die schwierige Arie ebenso sicher wie später „Ah, quel gelido orror … – Il padre adorato“ aus Idomeneo, das er mit sehr viel Emotion und Pathos interpretierte. Im Duett mit Adela Zaharia „Ma qual mai – Fuggi, crudele“ (aus Don Giovanni) wirkte er zwar wie ihr kleiner Bruder, aber war ihr stimmmäßig ebenbürtig und überzeugte mit einer charismatischen, starken und sicheren Darbietung.

Stepánka Pucálková, die bezaubernde Mezzosopranistin, hatte mit „Parto, parto“ aus La clemenza di Tito und „Ah! Scostati! – Smanie implacabili“ aus Cosí fan tutte ihre Soloauftritte. Eine glockenhelle Stimme, feine Linien und einwandfreie Technik sind ihr eigen, allerdings hatte ich trotz des makellosen Auftritts gelegentlich das Gefühl, sie wäre bei Puccini oder Verdi beinahe besser aufgehoben. In den Duetten mit Simone Alberghini „Il core vi dono“ (Cosí fan tutte) und „La ci darem la mano“ (Don Giovanni) kombinierten die beiden spielerische Leichtigkeit, zarte Harmonie und charmante Koketterie.

Beim Schlussapplaus erhoben sich die Zuhörer von den Sitzen und forderten mit rhythmischem Klatschen und lauten Bravo-Rufen noch eine Zugabe, die die Sänger dann mit „Soave sia il vento“ aus Don Giovanni auch gaben.

 

Knisternde Chemie zwischen Orchester und Podium

Zwischen den Gesangsdarbietungen spornte Plácido Domingo das Orchester bei den Ouvertüren zu Le nozze di Figaro und La clemenza di Tito zu ebenso beschwingtem wie exaktem Spiel an und schaffte es, auch die zarten, leisen Nuancen von Mozarts Werken spürbar zu machen. Zwischen ihm und dem Orchester schien es ein unsichtbares, liebevolles Band zu geben. Die Musiker spiegelten im Spiel sogar seine Mimik wider. Es machte großen Spaß, dieser non-verbalen Kommunikation zuzusehen, bei der so mancher Musiker (insbesondere in der Violin- und Cello-Sektion) seinen Gefühlen völlig freien Lauf ließ. In der Pop-Musik würde man wohl sagen: „Es flippte völlig aus und rockte ohne Ende“. Domingo hat in seiner Gesangskarriere nur wenige Mozart-Opern gesungen, doch beim Dirigieren spürte man, dass seine häufigen Wien-Aufenthalte und die Beschäftigung mit dem österreichischen Komponisten zu einem tiefen Verständnis und einem intensiven Gefühl für dessen Musik geführt haben.

 

Kranker Dirigent – gesunde Leistung

Seine Leistung war umso beachtlicher, als er nur eine Woche vor dem „Geburtstagskind des Abends“ ebenfalls Geburtstag gefeiert hatte. 78 Jahre, schwer erkältet und dennoch mit dem Temperament eines Jungen beeindruckte er einmal mehr das Publikum.

Bei der anschließenden Bühnenparty in Anwesenheit von viel kultureller und politischer Prominenz lobte er die Leistungen der Sänger und des Orchesters an diesem Abend und betonte mit leiser, heiserer Stimme, wie froh er sei, hier zu sein, obwohl er eigentlich im Bett liegen sollte.

Kaum zu glauben, dass er dennoch nur zwei Tage später bei der Kino-Live-Übertragung der La Traviata aus dem Royal Opera House das Londoner (und das weltweite) Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss!

Alles in allem war es ein beeindruckender Abend mit nachhaltiger Wirkung. Das historische Ambiente des Opernhauses, das festlich gekleidete und aufmerksame Publikum und die hinreißend dargebotene Musik eines genialen Komponisten waren des Anlasses wirklich würdig.

Gabi Eder (Publiziert am 10. Februar 2019)

4 Comments

  1. Dragos Cojocaru schreef:

    Thank you for this article. I wish I could have been there!

  2. Christin Linke schreef:

    I ca nothing but agree with Dragos…..THANK YOU, dear Maestro and THANK YOU, dear Gabi! 🙂

  3. Ingrid schreef:

    Ich wäre gern dabei gewesen, aber nach dem Lesen dieses Berichtes habe ich das Gefühl, ein wenig dabei gewesen zu sein. Danke!

  4. Ed schreef:

    What a pleasure to read your reviews, Gabi – they are always spot on! Keep them coming.

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